Am vergangenen Samstag habe ich bei der ersten Talentshow (RBC Cafe) diesen Jahres ein gedicht performt, das ich hier geschrieben habe und in dem ich über meine ersten Wochen reflektiere. Nun möchte ich es hier mit euch teilen.

Ich sitze auf meinem Bett.
Starre Löcher in die Luft
In mir ein Knoten. Aus klebrigem Gummi. Der sich nicht lösen will.

In meinem Kopf bauen sich
Synapsen zurück und
längst vergessene Verbindungen
treten wieder hervor.

6. September 2016

Ein junges Mädchen geht die
Treppe hinauf zu einer großen, massiven
Tür
die in das Hauptgebäude eines Berliner Gymnasiums führt.
Ihr Gang ist
selbstbewusst
voller Vorfreude
Idealismus und der
Sehnsucht nach einer neuen Welt.
Als sie nach einigen Stunden wieder
hinaustritt, ist der
Ausdruck noch in ihrem Gesicht, in ihrem Körper und
ein außenstehender Mensch würde sich
wünschen, dass das so bleibt.

Doch nicht alle Wünsche werden gehört und erfüllt.
Und manche Erwartungen bleiben auch ewig
Erwartungen.

Ein paar Wochen
später
hat sich der Ausdruck des Mädchens geändert:
Sie guckt auf den Boden, nicht in die Augen der Schüler*innen und hält bald darauf
sehnsüchtig Ausschau nach dem Bus, der sie
nach Hause
bringen soll. Während des
Wartens
betreibt sie einen Smalltalk mit anderen Mädchen ihres Alters
doch man erkennt schon von Weitem, dass das Gespräch ins
Leere
laufen wird, dass kein Funke überspringt, der ein Feuer
entfachen kann, und dass die Fäden der beiden
schlaff an ihren Körpern herunterhängen und sich nicht annähern, um die ersten
Verwebungen des Stoffs einer Beziehung zu beginnen.

Ein paar Monate später
hat sich der Ausdruck des Mädchens
verkrampft: Sie versucht, mit
hochgezogenen Schultern ihren Kopf zu
verstecken und
schlüpft zielgerichtet durch die Tür des
imposant wirkenden Gebäudes, als wäre es ein
vernichtendes Feuer. Ihre Fäden sind
zerfetzt, und auch sie erkennt, dass sie an diesem Ort
nie Wurzeln schlagen kann.
Dennoch kämpft sie sich täglich zurück dahin, wo sie nie
fruchtbaren Boden finden wird.

Vier Jahre später verlässt sie diesen Ort
beschwingt,
wieder voller Vorfreude
Hoffnung
Naivität
Idealismus und der
Sehnsucht nach einem besseren Ort, nach einer
besseren Welt.
Über ein Jahr hat sie auf diesen
Umzug hingearbeitet,
in ihr hatte die
Hoffnung begonnen zu keimen
zu einem Pflänzchen zu wachsen, sodass sie es in der
freien Natur auspflanzen konnte:
Sie pflegte ihre Hoffnung
wässerte sie und
schnitt die verblühten Teile ab, das
Pflänzchen
wurde zu einer Pflanze und
schließlich zu einem
prächtigen
Baum.
Doch der Baum musste
zu Hause bleiben und so hob sie ein paar
heruntergefallene Blätter auf
presste sie und
nahm sie mit sich.

Dieses Mädchen war ich, und
sie ist noch immer ein
Teil von mir.
Damals in der Schule war ich
zu Beginn sehr optimistisch, Freunde zu finden
doch der Optimismus wurde zuerst von der Angst vor Einsamkeit abgewechselt und
schließlich von dem tauben Gefühl der Einsamkeit.

Nun habe ich
Angst, dass mir
dasselbe hier passiert.
Ich spüre eine große
Sehnsucht nach Verbundenheit und
gleichzeitig bin ich wie versteinert, wenn die
Angst wieder über mich kommt.
Ich habe hier realisiert, dass mich diese
Sehnsucht mein ganzes Leben lang
begleiten wird. Und dass es
herausfordernd
wird, mit der
Angst auf der einen und der
Sehnsucht auf der anderen Seite umzugehen.
Doch ich möchte nicht, dass meine Vergangenheit meine Zukunft einschränkt.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal für das ermutigende Feedback vieler Schüler*innen bedanken, das mich berührt und empowert hat. Ich war vor meiner Performance sehr aufgeregt, doch es hat sich absolut gelohnt, meine Angst zu überwinden und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

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